Was ist Judo?


Judo der sanfte Weg

Jigoro Kano (1860-1938) entschärfte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das aus der alten japanischen Kampfkunst Jiu-jitsu entstandene Ju-jutsu, indem er Schläge, Stöße und Tritte sowie andere gefährliche Techniken wie Bein-, Fuß- und Fingerhebel entfernte und die Wurftechniken weiterentwickelte. Das hocheffiziente Ergebnis, das er ab 1882 in seinem eigenen Dojo, dem Kodokan (Ort zum Erlernen des Weges), lehrte, nannte er Judo: „Der sanfte Weg“. Innerhalb weniger Jahre war es sowohl aus den Schulen, als auch der Polizei und Armee nicht mehr wegzudenken.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen japanische Judolehrer nach Deutschland. Einer ihrer talentiertesten Schüler war Alfred Rhode (1896-1978). Er hatte nach dem 1. Weltkrieg maßgeblichen Anteil an der Verbreitung der Sportart in Deutschland und Europa. 1922 gründete er in Frankfurt am Main den 1. Deutschen Jiu-Jitsu-Klub (später in 1. Deutscher Judoclub umgetauft) und 1932 den Deutschen Judo-Ring, den Vorläufer des heutigen Deutschen Judobundes. Ein Jahr später gehörte er zu den Mitbegründern der Europäischen Judo-Union (EJU) und 1951 des Deutschen Dan-Kollegiums. In dieser Zeit bildeten sich auch in der DDR eigene Judostrukturen. Während in den Sportvereinen bereits intensiv trainiert wurde, dauerte es noch einige Jahre bis zur Schaffung eines Dachverbandes für alle Judoka. Am 20.04.1958 wurde dann der Deutsche Judo-Verband der DDR (DJV) gegründet. Internationales Renommee erlangte das Judo spätestens ab 1951, als die ersten Europameisterschaften stattfanden. Fünf Jahre danach, 1956, wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgerichtet, und 1964 in Tokyo war Judo erstmals olympische (Männer-)Disziplin (Die Frauen folgten erst 1992 – knapp 30 Jahre später!).